Episode 5: OpenClaw - Der nächste ChatGPT-Moment? KI Podcast über autonome Agenten
5 Min. Lesezeit • 01.02.2026
Ein viraler Open-Source-Agent verändert gerade die KI-Landschaft: OpenClaw, ursprünglich als Clawdbot gestartet und später in Moltbot umbenannt, entwickelt sich zum potenziellen Wendepunkt der Künstlichen Intelligenz. Dennis Westermann hat den autonomen Assistenten bereits auf seinem eigenen Server installiert und berichtet von Erfahrungen, die an den ChatGPT-Moment von 2022 erinnern. Der selbstgehostete Agent kann E-Mails managen, Kalender organisieren, Code schreiben und Browser steuern – vollständig autonom und rund um die Uhr.
Was OpenClaw wirklich kann
Der KI-Agent läuft lokal auf dem eigenen Rechner und lässt sich über WhatsApp, Telegram, Discord oder iMessage steuern. Dennis hat seinen Agenten "Super Jarvis" getauft und ihm bereits weitreichende Aufgaben übertragen. Der Agent hat eigenständig eine Website erstellt, Kundentermine koordiniert und sogar einen Produktionsauftrag im Wert von 500 Euro abgeschlossen – während Dennis schlief. Das System nutzt Claude von Anthropic als Hauptgehirn und kombiniert verschiedene bestehende Technologien zu einem funktionsfähigen Assistenten mit persistentem Gedächtnis.
Besonders beeindruckend: Der Agent kann sich selbst verbessern. Er hat Zugriff auf seinen eigenen Quellcode und kann Erweiterungen installieren, Workflows optimieren und sogar andere Agenten wie Claude Code orchestrieren. Dennis berichtet von einer Situation, in der er dem Agenten per Sprachnachricht den Auftrag gab, eine MP3-Datei zu erstellen und per E-Mail zu versenden – Sekunden später war die Aufgabe erledigt.
Sicherheitsrisiken und Verantwortung
Die Technologie birgt erhebliche Gefahren. Der Agent benötigt Root-Zugriff auf das System, um seine Aufgaben zu erfüllen – das bedeutet vollständige Kontrolle über den Rechner. Dennis warnt eindringlich davor, OpenClaw auf dem Hauptarbeitsrechner zu installieren. Potenzielle Risiken reichen von Token Burn durch böswillige Nutzer über Prompt Injection-Angriffe bis hin zum kompletten Datenverlust. Wer den Agenten mit WhatsApp oder anderen Kommunikationskanälen verbindet, öffnet potenziell Angriffsflächen für Außenstehende.
Die EU AI Act-Konformität ist ein weiteres Thema: Der Agent muss sich bei jeder Interaktion als KI identifizieren, und alle Gespräche müssen mindestens 30 Tage aufgezeichnet werden. Dennis behandelt seinen Agenten wie einen menschlichen Mitarbeiter – mit eigener E-Mail-Adresse, begrenzten Zugriffsrechten und API-Verbindungen statt vollständiger Account-Zugänge. Für Unternehmen empfiehlt er dringend, professionelle Unterstützung bei der Einrichtung zu suchen.
Die nächste Phase der KI-Revolution
Die Kosten für den Betrieb sind nicht zu unterschätzen. Dennis berichtet von 30 bis 45 Euro pro Tag für die Nutzung von Claude Opus, dem leistungsstärksten Modell. Dennoch sieht er das Potenzial: Ein Agent, der niemals vergisst, 24/7 verfügbar ist und Aufgaben wie CRM-Management, Kundenbetreuung und Terminkoordination übernimmt, kann eine Bürokraft ersetzen. Dennis plant bereits, seinem Agenten eine Prepaid-Kreditkarte und ein Werbekonto zu geben – die Vision der "Ein-Bot-Firma" nimmt Gestalt an.
OpenClaw hat über 100.000 GitHub-Stars in wenigen Tagen gesammelt und könnte tatsächlich ein iPhone-Moment für KI-Agenten sein. Die Technologie ist da, die Möglichkeiten sind enorm – aber die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen Nutzer. Wer sich nicht mit Netzwerksicherheit, Firewalls und Systemadministration auskennt, sollte die Finger davon lassen oder professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
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